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Ein Wissenssommer für den Wald

„Es war mir eine Ehre,“ schreibt uns einer der Teilnehmenden der European Natural Forest School und wir ergänzen gern: Uns war es eine Freude! Erfrischend, sowohl fachlich als auch menschlich, sei es gewesen, schreibt der angehende Wissenschaftler Joshua uns aus der Universitätsstadt Freiburg über die European Natural Forest School der Naturwald Akademie in Lübeck und Brandenburg.

Zur European Natural Forest School laden wir Expertinnen und Experten aus verschiedenen Ländern Europas ein, um ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und ihre Erfahrungen mit der nächsten Generation zu teilen. Von ihnen lernen 20 fortgeschrittene Studierende mit forstwirtschaftlichem oder biologischem Hintergrund sowie junge Berufstätige in der Forstwirtschaft oder im Waldschutz. Sie erhalten Einblicke in die Ökologie von Naturwäldern, den Naturschutz und die Waldbewirtschaftung – direkt von den Expertinnen und Experten, die die Besonderheiten europäischer Wälder kennen.

Erkundung der Bodenstruktur mit Professor Dr. Werner Härdtle. Fotos: @jbw_photograph

Verständnis für natürliche Waldökologie

Ein zentrales Thema der European Natural Forest School ist das Verständnis der natürlichen Waldökologie. Die Teilnehmenden lernen, wie bedeutend die biologische Vielfalt in Wäldern ist und welche Rolle Wälder im Kampf gegen den Klimawandel spielen. Besonders die Widerstandsfähigkeit der Naturwälder wird hervorgehoben, denn Naturwälder können sich an veränderte Umweltbedingungen und extreme Wetterereignisse anpassen und sie im Ökosystem verarbeiten.

Die theoretische Ausbildung wird durch praktische Exkursionen ergänzt, bei denen die Teilnehmenden die Möglichkeit haben, verschiedene Naturwälder zu erkunden und das neuerworbene Wissen in der Praxis zu sehen. Dies vertieft das Verständnis darüber, wie Naturwälder in Europa funktionieren und welche biologischen Zusammenhänge für deren Erhalt entscheidend sind.

Herausforderung Interessenskonflikte

Die Erhaltung der Naturwälder in Europa ist von großer Bedeutung. Die Studierenden erhalten tiefe Einblicke in die entsprechenden Strategien und Maßnahmen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Katastrophenmanagement, also der Frage, wie Wälder vor Naturkatastrophen wie Brände, Stürme oder Überschwemmungen geschützt werden können.

Darüber hinaus lernen die Teilnehmenden, wie die Erhaltung von Naturwäldern auch regionale und sozial-ökologische Vorteile mit sich bringen kann. Dazu gehören der Tourismus und andere naturnahe wirtschaftliche Nutzungen, die die regionale Entwicklung fördern können. Auch etwaige Konflikte zwischen wirtschaftlichen Interessen und Naturschutz werden offen diskutiert.

Naturnah den Wald bewirtschaften

Die naturnahe Waldbewirtschaftung ist ein zentraler Schwerpunkt der European Natural Forest School. Die Teilnehmenden lernen unter anderem das Lübecker Modell kennen. Die vor 40 Jahren entwickelte Methode der ökologischen Forstwirtschaft, nach denen Waldbesitzende ihre Wälder auch in anderen Gegenden Deutschalnds naturnah bewirtschaften.

Die Ertragskraft der unterschiedlichen Waldbewirtschaftungsmodelle ist ein steter Konflikt zwischen Befürwortern der naturnahen und der traditionellen Forstwirtschaft. Mit den Teilnehmenden werden daher die wirtschaftlichen Vorteile, aber auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen der verschiedenen Methoden analysiert und miteinander verglichen. Um die verschiedenen Modelle der Waldbewirtschaftung zu erfahren und einschätzen zu können, unternehmen die Teilnehmenden Exkursionen in naturnahe und traditionell bewirtschaftete Wälder.

Ein zentrales Thema der Forschung zur naturnahen Waldbewirtschaftung ist die Frage: Wie können Wälder in Zeiten des Klimawandels für die Zukunft bewahrt werden? Wie können Wälder mit Dürren, starken Regen- oder Schneefällen und Massenauftreten von Insekten umgehen?Welche Art von Waldumbau die Wälder stärkt, steht daher auch auf dem Lehrprogramm der Summer School.

Was das Studium nicht lehrt

Durch die Kombination von Theorie und praxisnahen Exkursionen wird ein umfassendes Verständnis der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte der Waldnutzung und -erhaltung vermittelt. Die Teilnehmenden erwerben Fachwissen und praktische Fähigkeiten, die sie auf ihrem Weg in der Forstwirtschaft und im Naturschutz unterstützen mögen. Immer wieder erzählen uns Studierende und junge Forstleute, während ihres Studiums oder in der Ausbildung sehr wenig über naturnahe Waldkonzepte erfahren zu haben. Viele versichern, in der Zukunft im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Grundlagen naturnaher Waldbewirtschaftung umsetzen zu wollen.

Unsere European Natural Forest School trägt damit dazu bei, die naturnahe Waldbewirtschaftung der nächsten Generation von Forstleuten, Waldbesitzenden, Wissenschaftler*innen und politischen Entscheidenden nahezubringen. Sie leistet einen gesellschaftspolitischen und ökologisch relevanten Beitrag zur Zukunft der Wälder.

Die nächste European Natural Forest School planen wir für den Sommer 2027.