Perspektiven erweitern und Bewegung in festgefahrene Waldkonflikte bringen
KonTRAStiv – Über Wald reden ist ein Forschungs- und Dialogprojekt des Instituts für Ressourcenmanagement inter3, der Naturwald Akademie und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Ziel des Projekts ist es, Wege zu entwickeln, wie verhärtete Debatten über die Nutzung oder Umgestaltung von Wäldern wieder in konstruktive Gespräche überführt werden können.
Die drei Projektpartner haben in Workshops, Interviews und anderen Formaten festgestellt, wie stark die Konflikte unter den Waldakteuren von Polarisierung und gegenseitigen Zuschreibungen geprägt sind. Viele der in den Wald- und Forststrukturen Engagierten nehmen sich selbst und andere als Teil klarer Lager wahr, die sich an Fronten gegenüberstehen. Ein derartiges Lagerdenken erschwert die Verständigung und kann Eskalation begünstigen.
Nicht überzeugen, sondern verstehen – dann gelingt Verständigung
Aus diesen Beobachtungen entwickelt das Projektteam ein Debattenkonzept, das Orientierung bietet und die Dynamiken hinter solchen Konflikten sichtbar macht. Es beschreibt, welche fachlichen, emotionalen und sozialen Faktoren die Walddebatten prägen, welche Rollen Akteure in Konflikten einnehmen und wie wieder Anschlussfähigkeit zwischen unterschiedlichen Positionen entstehen kann. Ein zentrales Ergebnis ist, dass Verständigung nicht durch Überzeugungsarbeit gelingt, sondern durch Räume, in denen Beteiligte zunächst ihre eigene Perspektive reflektieren und besser verstehen können, wie andere zu ihren Sichtweisen kommen.
Das Konzept bietet einen „Werkzeugkoffer“ mit praxisnahen Methoden und Reflexionsimpulsen, die helfen, Muster und Missverständnisse zu erkennen und alternative Kommunikationswege zu erproben. Besonders wirksam hat sich ein zweistufiges Vorgehen erwiesen: Zunächst arbeiten die einzelnen Gruppen intern an ihrer eigenen Konfliktwahrnehmung und an blinden Flecken, bevor sie in einem geschützten Rahmen in den Austausch mit anderen treten. So entstehen Gespräche, die weniger konfrontativ und deutlich konstruktiver verlaufen – nicht, weil Differenzen verschwinden, sondern weil sie besser verstanden und eingeordnet werden.
Entscheidend ist: Neue Formen des Gesprächs ausprobieren
KonTRAStiv zeigt damit, dass selbst festgefahrene Waldkonflikte Bewegung erfahren können, wenn Beteiligte die Möglichkeit erhalten, Perspektiven zu erweitern und neue Formen des Gesprächs auszuprobieren. Das Debattenkonzept bietet hierfür eine fundierte und praxisnahe Grundlage, die zur Verbesserung der Gesprächskultur in forstlichen Kontroversen beiträgt und Orientierung für zukünftige Dialogprozesse liefert. Das Debattenkonzept wird im letzten Projektjahr 2026 für die Praxis aufbereitet und auf der Webseite https://kontrastiv.inter3.de/ veröffentlicht.



